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Donnerstag, Februar 21, 2008

Neues Nachrichtenportal 'Zoomer.de'

Das hat es - soweit meine Augen schauen können - noch nicht gegeben: Ein Online-Nachrichtenportal, bei dem die Besucher über die Reihenfolge und Bedeutung der Meldungen entscheiden. Separiert wird ganz simpel über die Häufigkeit des Aufrufs. Jedes andere Portal - einschließlich der NZ-Online (Niendorfer Nachrichten), die ich herausgebe - zwingt dem Leser seine Choreographie auf. Alleine diese Idee ist preisverdächtig. Und sollte auch in der NZ dereinst realisiert werden.

Weitere Ideen: Das Nachrichtengenre ist bunt gemischt, was den sich verändernden Lesegewohnheiten der Internetnutzer entspricht. Ein attraktives Thema des einen Ressorts steht neben dem attraktiven Thema eines anderen Ressorts. Was auf den ersten flüchtigen Blick wie eine unpassende Kombination erscheinen mag, wird durch die Gewöhnung an's Zappen zu einem bekömmlichen Mix. Es macht Spaß, dort zu blättern. Und seinen Senf dazuzugeben. Denn zumindest nach der hinter dem Konzept stehenden Idee soll der User alles kommentieren und bewerten können. Allerdings funktioniert das noch nicht überall oder aber meine Brillengläser waren beschlagen - ich fand das oft nicht. Und was ich fand, konnte ich nicht bedienen. Beispielsweise eine lustige Reihe bunter Punkte, in deren Mitte eine Zahl steht - man kann nicht drauf klicken und man kann die Zahl nicht überschreiben. Ich hätte schon gern gewusst, was das ist und wie das funktioniert. Ein Tipp unter Kollegen an die Redaktion: Mini-Tooltips für die Web 2.0 -Elemente wären hilfreich, ersparten eine FAQ. [Anmerkung: Es wurde nachgebessert]

Zurück zum Konzept: All das Gesagte beinhaltet, dass Äußerungen der Besucher ernst genommen und entsprechend positioniert werden. Das ist gut so, doch irritiert andererseits, wenn beispielsweise 'Sascha1994' an das Verantwortungsbewusstsein der Länder Serbien und Kosovo appelliert. Hervorgehoben in einem Überschriftsblock, möglicherweise direkt über ähnliche Worte der Bundeskanzlerin. Doch ist dies gut, es muss gut sein, denn ein 'Wasch mich, aber mach mich nicht nass' gibt es bekanntlich nicht. Will meinen, wenn man den User zum Publisher erhebt, dann ist dessen Beitrag auch Bestandteil der Meldungen. Ob dies aus Journalistensicht positiv ist, sei dahingestellt - den Besucher ansprechend ist es allemal.

Kommen wir zu dem letzten Highlight, welches ich durch meine beschlagene Brille wahrnehmen konnte: Ulrich Wickert ist als Mitherausgeber ein Garant für seriösen Journalismus überhaupt. Solange dieser Mann an Bord ist, wird das Schiff vermutlich gehobenen Ansprüchen gerecht - sollte man denken. Auch mit ihm auf dem Oberdeck sehe ich eine latente Gefahr, dass vor lauter Web 2.0 -Konformismus die Qualität der Beiträge dahingehen könnte. Negativ fällt auf, dass die Userkommentare, die Blogs und Wickerts Kolumne die einzigen für dieses Portal geschriebenen Inhalte sind - alle weiteren gut geschriebenen Beiträge scheinen kopiertes Material der DPA und anderer Quellen zu sein. Es wäre den Machern anzuraten, den Anteil eigener qualitativ hochwertiger(!) Texte auszubauen - dem ganzen 'eine Handschrift' zu geben. Und noch ein freundlicher Hinweis: Wenn unter dem großen Startseiten-Titel 'Hillary setzt auf Kuschelkurs' auf der Unterseite nur der folgende Miniatur-Artikel erscheint, ist das zuwenig:
"Die große Schlammschlacht bleibt aus. Bei der Fernsehdebatte setzt Hillary Clinton auf milde Töne und punktet mit menschlichen Äußerungen. Differenzen zu Obama zeigen sich besonders in der Kuba-Politik." [Link zum Text]

Etwas mehr journalistische Arbeit muss folgen - sonst ist zoomer.de verwechselbar. Sollte, wollte, könnte - ich wünsche Zoomer.de viel Erfolg. Aber Ulrichs Kolumne 'Die Linken umarmen, um sie zu erdrücken' hätte ich schon gerne gelesen - doch auf der Seite fand sich derzeit nur ein Einleitungssatz...

Nachtrag 27.2.08: Manches wurde in der Zwischenzeit verbessert, manches scheint verloren. Es gibt Beiträge, die sind so erbärmlich schlecht, dass sie schon in einem NoName-Blog ärgerlich wären. Dazu passt das beleidigte Greinen eines anonym bleibenden Zoomer- "Innenleben"- Bloggers, der rundweg auf alles schimpft, was 'sein' Portal in der Medienlandschaft nicht positiv bewertet. Formulierungen wie
"da ist bei einigen auch wirklich grober Unfug raus gekommen, selbst bei etablierten und angeblich so hochwertigen Medien ... Als ob wir je so etwas behauptet hätten ... Foulspiel. Wir können nichts dafür, lieber Herr Patalong, dass Sie die rechte Spalte nicht gefunden haben (oder nicht finden wollten). Dass der Spiegel allerdings derart bösartig desinformiert, hätten wir nicht gedacht. Das ist nicht nur albern, was Sie da schreiben, sondern schlicht falsch. Wer sich aufs hohe Ross setzt, sollte wenigstens saubere Arbeit abliefern, finde ich ... wollen sie partout, dass wir uns gefälligst so zu verhalten und zu organisieren haben wie sie ... Es kommt noch schlimmer"
sind nicht nur sprachlich unsauber und unsachlich, diese würde sich ein gestandener Journalist oder aber dessen Herausgeber und zur Not der Verleger verbitten. Sollte daher vielleicht nicht die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, sondern am Ende das "BILD" verbrechende Axel Springer-Haus hinter diesem Angebot stecken?

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