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Mittwoch, März 26, 2008

Autobörsen im Internet tun zuwenig für die Sicherheit

Auf den ersten Blick bieten die bekannten Autobörsen alles, was das Kaufen via Internet sicherer macht: 'Inserat beanstanden'-Links für vermutete Betrugsanzeigen und aufklärende Texte zu den besonderen Gefahren beim Autokauf im Internet. Doch sind derartige Features nicht ausreichend, wenn der Kunde - wie es heutzutage der Fall ist - im ganz großen Stil betrogen und abgezockt wird.

Denn Betrüger schalten Anzeigen schneller, als sie entfernt werden können. Und nutzen zahlreiche Tricks, um von den internen Analyseinstrumenten der Autobörsen - sofern überhaupt vorhanden - nicht erkannt zu werden. So tarnt sich beispielsweise ein annehmlicher Betrüger als deutscher Autohandel mit 'richtiger' Niederlassung in einer mitteldeutschen Stadt - samt Adresse und Telefonnummern. Sogar ein Bild des 'Autohandels' ist auf den Shop-Seiten abgebildet - auf diesem ist allerdings nur ein Schwerlastkran mit hineinkopierten 'Firmenschildern' zu sehen. Laut Autobörseneinblendung ist dieser Handel mit etwa 220(!) Fahrzeugen seit Juli 2007 dort angemeldet - und bekommt so nach und nach allein durch die Dauer der Anmeldung eine unverdiente positive Reputation. Immer wieder werden Anzeigen dieses Autohauses gelöscht, wenn Nutzer die Betrugsabsicht erkennen und melden. Doch die ebenfalls zur Autobörse gehörige Händlerseite und auch die Emailadresse, über welche nur eine Kontaktaufnahme möglich ist, dürfen weiter Anzeigen schalten.

Dort gibt es Autos aller Preisklassen und Marken - nur eben sehr gut ausgestattet und zum Teil extrem günstig. Der etwas naive Internetnutzer muss fast zwangsläufig auf einige dieser Angebote hereinfallen. Beispiele? Ein fünf Jahre alter Golf Diesel mit etwas über einhunderttausend Kilometern für 4100 Euro - zu diesem Preis werden neun Jahre alte Fahrzeuge gehandelt. Nimmt man per Email Kontakt auf, kommt eine englischsprachige Antwortmail mit einem dem folgenden ähnlichen Text - manchmal auch schlecht übersetzt in deutsch:
"The vehicle is in good condition, has no technical damage at all, no scratches or dents, no hidden defects, no smoking ... It has title of ownership, cleared of any obligations or fees and comes with all the documents you need to register it.You will not have to pay additional taxes for this (VAT reclaimable).

It's my personal car.I've listed the car under *** NAME so I can sell it faster, but it's my personal car. I have worked in Germany for the last 2 years and I've purchased the car there. My company wanted me back home, so currently I'm in England (UK). I've brought the car home with me and it's now located in London, England.

I've decided that it's better to sell it because I don't use it anymore (the steering wheel is on left side and it' very difficult for me to drive it), it `s a pity to keep such a car and not to use it. It's listed in Germany because when i have posted the car on www.mobile.de I had to use a German address.

Now I'm trying to sell it back for such a low price because next week I have a deadline term for paying those taxes. I tried to sell the car in UK, but nobody want`s to buy a left side steering wheel car.

My car is already at the "http://europe-cargo-freight.com" at their local representant.(i paid this company to take care about transaction).
We can have a deal if you are really interested to buy it.
The price is correct and it's not negotiable and it also includes the transport.
Please write me back to discuss only if you are interested because I am tired of people that ask questions and are not interested at all.

Regards"
Wohlgemerkt - für jedes der etwa 220 Fahrzeuge ist nur eine Person der Adressat, dessen von den 'Händlerdaten' abweichende Mailadresse steht bei jedem dieser Wagen im Text oder Bild.

Fast allen Betrugsversuchen ist gemein, dass die Autokäufer in das benachbarte Ausland gelockt werden, um den Kauf abzuwickeln. Ob Sie nun in Frankreich im "ererbten Hotel" des Verkäufers einen gestohlenen Wagen mit perfekten, aus einer deutschen Zulassungsstelle gestohlenen Papieren von einem netten Mann kaufen, der einen ebenfalls perfekt gefälschten Personalausweis vorweisen kann oder ob Sie auf irgendwelche Treuhandkonten- oder Vorkasse-Tricks hereinfallen - im Ergebnis sind Sie mühsam zurückgelegtes Geld losgeworden. Der deutsche Käufer des ersten Beispiels ist gar mit dem Verkäufer zur örtlichen Polizeistation gefahren, um alle Papiere prüfen zu lassen. Jedoch deckte erst der Versuch der Anmeldung in Deutschland den Diebstahl auf. Trau, schau, wem. Seien Sie höchst kritisch und meiden Sie Geschäfte außerhalb der deutschen Staatsgrenze und solche ohne Festnetz-Telefonkontakt. Keiner von uns ist den Raffinessen gutorganisierter großer krimineller Organisationen gewachsen.

Doch was sollen die Autobörsen-Betreiber tun?
  1. Es dürfen zunächst einmal keine Anzeigen ohne Telefonnummer zugelassen werden.
  2. Die 'Nachricht an den Anbieter'-Funktion muss ersatzlos verschwinden - kein ernsthafter Anbieter hat mir je auf eine meiner diversen schriftlichen Anfragen geantwortet, alle bevorzugen den persönlicheren und verbindlicheren Telefonkontakt.
  3. In Bildern oder im Text versteckte Emailadressen müssen konsequent verboten und gefiltert werden. Eine bekannte und existente Handy-Nummer kann zwar einem nicht identifizierbaren Anschlussinhaber gehören, doch erhöht dies die Hürde für Betrüger beträchtlich.
  4. Des weiteren müssen Telefonnummern von Fahrzeuganbietern, deren Anzeige einmal aufgefallen und gelöscht wurde, konsequent von weiteren Anzeigenschaltungen ausgeschlossen werden.
  5. Die Betreiber dieser Auto-Portale dürfen schon gar nicht zulassen, dass auffällig gewordene Anbieter ohne den Nachweis ihres Gewerbes Händlerseiten in ihrem System betreiben. Und wenn die Betreiber die vorgeblichen Händler nach einem Verdachtsfall nicht ausschließen, müssen diese vom Betreiber der Autobörse genauer überprüft werden - beispielsweise durch Vorlage einer Gewerbeanmeldung.
Wenn der Betreiber - wie es derzeit Usus ist - weitgehend untätig bleibt oder den Aufwand scheut, erleichtert dies Betrügern die Arbeit. Es wäre daher den Autobörsen anzuraten, schon aus Gründen des Vertrauenserhaltes die Melde- und Kontrollmechanismen zu verfeinern.

Zu guter Letzt dürfen keine unnötigen Hürden zur Meldung eines Verdachts wie bei Autoscout.de™ aufgebaut werden - dort müssen zeitaufwendige Angaben in einem Bemerkungsfeld des Online-Formulars gemacht und diese später via Email bestätigt werden. Dass es auch anders geht, zeigt uns Mobile.de™ - im Online-Formular wählt man in einem Auswahlfeld einfach die passende Begründung aus und sendet sie ab - fertig. Allerdings bietet Mobile.de™ den annehmlichen Gaunern das oben beschriebene Zuhause...

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